MACHTCLUB #83
Argentina mí amorEin langes Land. 3.700 Kilometer Nord-Süd. Die Ausdehnung seiner literarischen Landschaft aber schlägt die Geographie locker: Magischer Realismus und durchtriebenes Garn von bonaerensischen Heiopeis, traditionelle Tangomelancholie und ebenso traditionelle Fußballeuphorie, Erzählungen von grausamer Poesie über die Militärdiktatur und surreale Berichte vom Schlachtfeld der Liebe – ein ganzer Buchmessen-schwerpunkt reicht kaum, diese Gebiete zu durchmessen. MACHT versucht es trotzdem und präsentiert:
Alan Pauls – Sein Held ist sensibel und hat schon in jungen Jahren die gesamte linke Politliteratur verschlungen. In seiner Gegenwart fangen die Menschen unweigerlich an zu weinen. Nur er selbst vergießt seit der Fernsehübertragung eines Putsches plötzlich keine Träne mehr. Und als er dies zu hinterfragen beginnt, offenbart sich ihm die ganze Skurrilität des Lebens in einer Militärdiktatur.
Alan Pauls, „Geschichte der Tränen“, Klett-Cotta 2010
Ariel Magnus – in dessen Roman „Ein Chinese auf dem Fahrrad“ der Computernerd und Slacker Ramiro von ebendiesem gewaltsam schanghait wird und es sich verblüffenderweise bei seinem Entführer im Chinesenviertel von Buenos Aires recht gemütlich einrichtet. Eine Kulturkomödie mit einem üppigen Ensemble skurriler Figuren, abstrusen Verschwörungstheorien, ungeklärten Brandstiftungen, undurchschaubaren chinesischen Tellergerichten und, natürlich, einer Liebesgeschichte, die sich vorwiegend unter freiem Himmel abspielt.
Ariel Magnus, „Ein Chinese auf dem Fahrrad“, KiWi 2010
Lola Arias – Die junge Schriftstellerin, Performancekünstlerin, Musikerin und Theater-macherin aus Buenos Aires lebt u. a. in Berlin, ihre Erzählungen und Kurzdramen hingegen sind im surrealen Nirgendwo der menschlichen Sehnsüchte und Begierden angesiedelt. „Die Liebe ist ein Scharfschütze“ heißt ihre Sammlung von Stories und Szenen. Das leuchtet ein und ist oftmals ein bißchen so, als führten Becketts Wladimir und Estragon eine moderne Zweierbeziehung.
Lola Arias, „Die Liebe ist ein Scharfschütze“,
Blumenbar 2010
Tango – Der Tango ist alt und jung, Kitsch und Punk, Schmerz und Groove. Sein Herzschlag läßt sich im Rhythmus von Buenos Aires nicht überhören. Vor allem aber ist Tango ganz anders, als man denkt. Bewiesen an Bandoneon und Piano von Rocco Boness & Gustavo Lanson, sowie atemberaubend getanzt von den Hamburger Ausnahmetänzern Christiane Stange & Daniel Zawistowski – begleitet von Kristian Sievers auf der E-Gitarre.
www.roccoboness.com | www.tangomatrix.de
Die Gauchos der MACHT – Es reiten durch den Abend: Rio Moldenhauer und de la Plata Uebel.



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